Stummfilm in der Blackbox

Dass die Blackbox sich in den letzten Jahren vom Geheimtipp zum (kleinen) Mekka der Stummfilmimprovisation entwickelt hat, stellte sich am 26. Oktober besonders eindrucksvoll unter Beweis: Freie Stühle waren Mangelware; das überwiegend aushäusige Publikum zeigte sich gut informiert und ging begeistert mit.

Cottage 1

A Cottage On Dartmoor, ein zu Unrecht wenig beachtetes Meisterwerk von Anthony Asquith, Sohn des damaligen amtierenden Premierministers von England, stammt aus der Übergangszeit vom Stummfilm zum Tonfilm, als in vielen Kinos noch abwechselnd Stummfilme und Talkies gezeigt wurden. So spielt eine Schlüsselszene in einem Kino, auf dessen Programm ein stummer und ein tönender Film angekündigt werden. Während des Stummfilms, der von den Musikern einer Kinokapelle begleitet wird, sieht man das Publikum lebhaften Anteil nehmen und hellauf lachen, doch als der Tonfilm beginnt, verfällt es in Schweigen und emotionslose Passivität. Eine Reaktion Asquith’s auf das nahe Ende des Stummfilms.

Cottage 3

Optisch wirkt sein Film wie eine subtilere Variante des Expressionismus, kommt aber nicht so überladen daher wie die zehn Jahre zuvor entstandenen deutschen Vertreter. Als Regisseur war Asquith stilistisch sehr versiert und spielte souverän unterschiedliche Erzähltechniken durch. Sichtlich beeinflusst wurde er von der russischen Montage und dem suggestiven Filmschnitt Sergei Eisensteins.

Cottage 2

Die fatalistisch erzählte Geschichte ist im Kern eher simpel: Sträfling Joe (Uno Henning) flüchtet durchs Moor und dringt ins abgelegene Farmhaus der jungen Sally (Norah Baring) ein. Rückblenden enthüllen ein Eifersuchtsdrama; Landschaftsaufnahmen mit dramatischen Wolkenbildern erinnern an das skandinavische Kino. Für alle Zuschauer, die emotional hörbar mit dem Ausbleiben eines Happy Ends zu kämpfen hatten, jetzt noch eine gute Nachricht: Im nächsten Semester erwartet Sie wieder ein Kleinod aus den Stummfilmarchiven in der Blackbox!

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